TrueType Fonts


Die TrueType-Technologie ist eine Weiterentwicklung der RoyalFonts von Apple. Zusammen mit Microsoft wollte man damit der Type 1 Technologie von Adobe Paroli bieten. TrueType wurde 1992 auf der Cebit vorgestellt und wird direkt vom Betriebssystem unterstützt (ab Windows 3.1, System 7). Ähnlich wie Type 1 Schriftarten basieren TrueType-Fonts auf Beziérkurven. TrueType nutzt dabei quadratische B-Splines, welche schnellere Berechnungen ermöglichen. Mit der neuen OpenType Technologie beenden Microsoft und Adobe ihren Fontkrieg.

TrueType-Format
Jede Schriftart bzw. -schnitt ist in einer Datei (mit der Endung truetype-font) gespeichert.
Beispiel Arial
Schriftschnitt Datei
Standard arial.ttf
Fett arialbd.ttf
Kursiv ariali.ttf
Fett Kursiv arialbi.ttf
Die Informationen einer TrueType-Schriftart sind in Tabellen gespeichert. Da beliebige Tabellen angelegt werden können, ist diese Technologie auch für zukünftige Erweiterungen offen. So z.B. die Einbindung von Bitmaps bei sehr kleinen Größen (ermöglicht schnelle und für Lesbarkeit optimierte Ausgabe).

Wichtige Tabellen:
ANSI - Zeichensatz einer Schriftart
Der heute als ANSI-Code bezeichnete Zeichensatz wurde von Wilhelm Friedrich Bohn im Codierungsausschuß der ECMA (European Computer Manufacturers Association) vorgeschlagen. W. F. Bohn war bei IBM im Bereich Europa und Naher Osten für Zeichensätze, Codierung und Tastaturen zuständig und arbeitete in zahlreichen nationalen und internationalen Normungsgremien mit. Der von ihm entwickelte "Bohn-Code" setzte sich sehr schnell durch und wurde 19985 als Standard ECMA-94 veröffentlicht. Dieser Standard wurde von praktisch allen westeuropäischen Normengremien und auch von der ANSI (American National Standards Institute) als ISO-Latin-1 übernommen. IBM änderte daraufhin ihren PC-Zeichensatz unter DOS von Tabelle 437 (als ASCII-Code bekannt) zu Tabelle 850. Microsoft führte diesen Zeichensatz unter Windows als "ANSI-Code" ein, allerdings mit ein paar eigenmächtigen Zusätzen. Die Zeichen 32 - 127 stimmen mit dem ASCII-Zeichensatz überein.
Der ANSI-Code ist ein 1-Byte-Code. Windows NT hingegen versteht auch den Unicode, bei dem jedes Zeichen mit 2 Byte verschlüsselt ist. Damit lassen sich statt 256 Zeichen 65536 Zeichen darstellen.
Um ein beliebiges Zeichen des ANSI-Zeichensatzes darzustellen, tippen Sie den entsprechenden Code ein und lassen dabei die Alt-Taste gedrückt. (A entspricht Alt+65)

Metrik und Klassifikation
Die TrueType Type 1 und OpenType-Technologie erlaubt es dem Hersteller einer Schrift, verschiedene Angaben in der Schriftdatei zu verschlüsseln. Die Registerkarte zeigt folgende Eigenschaften:
Datei-Daten
· Eigenschaften der zu dieser Schriftart gehörenden Schriftart-Datei.
Windows-Metrik-Daten
· Klassifizierung der Schriftart nach den IBM-Fontklassen.
· Lizenzbedingungen einer Schrift. Aussage ob eine Schriftart weitergegeben (eingebettet in einem Dokument) und verändert werden darf.

Panose
· Klassifizierung der Schriftart nach dem PANOSE-Vergleichssystem.
Textmetrik-Daten
· Klassifizierung der Schriftart nach textmetrischen Eigenschaften.

TrueType-Dateiaufbau
· Größe der einzelnen Tabellen einer TrueType-Datei.
So beurteilen Sie die Qualität einer Schrift
· Anzahl der Kerning-Paare bei proportionalen Schriften
· Größe der Hint- bzw. Instructions-Tabelle
· Anzahl der Schriftschnitte
· Ausbau der Schrift (Umlaute, Sonderzeichen)
· Anzahl der Stützpunkte

Kerning-Paare für ein gleichmäßigeres Schriftbild
Wenn der Abstand zwischen zwei Buchstaben immer gleich groß ist, so ergeben sich optisch unschöne Lücken. Diese erweisen sich beim Lesen als wahre Stolpersteine; das Auge bleibt dran 'hängen'.
Ein bekanntes Beispiel sind die Zeichen T und e. Im Wort Text stehen T und e zu weit auseinander, da der waagerechte Balken des T den Abstand zum folgendem e bestimmt. Deshalb wird unterschnitten, d.h. das e wird ein wenig unter das T geschoben. Die Buchstabenabstände werden also für spezielle Buchstabenpaare gesondert festgelegt. Diese Buchstabenpaare nennt man Kerning-Paare oder Unterschnittspaare. Eine hochwertige proportionale Schrift enthält weit über 100 solcher Kerning-Paare.
Das Kerning ist bei proportionalen Schriften wichtig, da diese alle unterschiedliche Buchstabenabstände haben.
Ligaturen sind zwei oder drei zu einem Zeichen zusammengefaßte Buchstaben. Bekannt sind das ß (aus sz) oder das Et-Zeichen &. Frühere Ligaturen wie fi, fl oder ff werden meistens durch Kerning-Paare realisiert.

PANOSE - Schriftvergleichssystem
Hochwertige TrueType-Schriftarten enthalten PANOSE-Informationen, die eine visuelle Charakterisierung der Schrift erlauben. Das PANOSE-Vergleichssystem (in der jetzigen Version 2.0) wurde von der Firma Elseware entwickelt. Es ordnet jeder Schriftart folgende Eigenschaften zu: Schriftfamilie (Beliebig, Nicht geeignet, Text und Anzeige, Handschrift, Decorativ, Pictogramm), Serifenstil (Wölbung, Dünn, Überhängend, ...), Strichstärke (Mager, Dreiviertelfett, Extrafett, ...) und weiteren Eigenschaften.
IBM Fontklassen
Die IBM Fontklassen und Fontunterklassen dienen zur Klassifizierung von TrueType-Schriftarten. Sie sind in der Norm 12/87 ISO/IEC 9541-5 dokumentiert. Es gibt 10 Fontklassen (Oldstyle Serifs, Transitional Serifs, Modern Serifs, Clarendon Serifs, Slab Serifs, Freeform Serifs, Ornamentals, Scripts, Symbolic). Jede Fontklassen besitzt 3 bis 8 Unterklassen (z.B. Neogrotesque Gothic, Calligraphic, Venetian).

Metrik
Mit Hilfe der Windowsinternen Struktur Textmetrik verwaltet Windows die Schriftarten. Mit diesem Vergleichskriterium können alle Schriftarten (TrueType, PostScript Type 1, Drucker-Schriftarten) klassifiziert werden. Es werden 6 Schriftfamilien (Schmuck- schriften, Serifenschriften, Nichtserifenschriften, nicht proportionale Schriftarten, Schreibschriften, sonstige) unterschieden. Diese Struktur nutzt weiterhin metrische Daten wie Gewicht, Ober- und Unterlänge, durchschnittliche Buchstabenbreite, Zeichenabstand, ...
Allgemeine Eigenschaften
Name Arial Fett
Name der Schriftart
PostScript Arial-BoldMT
Name der äquivalenten PostScript Type 1 Schriftart
Schriftfamilie Arial
Gruppe von Schriftarten mit ähnlichem Designmerkmalen, die sich nur in Laufweite, Strichstärke und Neigungswinkel unterscheiden.
Schriftschnitt Fett
Auszeichnung wie z.B. Standard (Regular), kursiv (italic), fett (bold). Sind die den Schriftschnitten entsprechenden Schriftarten- Dateien nicht vorhanden, »verbiegt« Windows die Schrift nach eigenem Ermessen.
Identifikation
Name und eventuell Hersteller der Schriftart.
Version
Nützlich beim Vergleich zweier gleicher Schriftarten aus unterschiedlichen Quellen.
Copyright
Name der Person, die das Urheberrecht an dieser Schriftart besitzt. In Deutschland durch das Wiener Abkommen zum Schriftzeichengesetz geregelt.
Warenzeichen
Name der Person, die den Schriftnamen als Warenzeichen eingetragen lassen hat.
Proportional und nicht proportional

Jede Schrift ist entweder proportional oder nicht proportional.

Nicht proportional: Jedes Zeichen beansprucht den gleichen Platz für sich. Ein » i « macht sich also genau so breit wie ein »m«. Dadurch stehen die Buchstaben zweier Zeilen stets exakt untereinander. Ein längerer Text weist allerdings unschöne Lücken auf. Normale Schreibmaschinen und MS DOS verwenden diese nicht proportionalen Schriften (z.B. Courier New), auch Monospaced oder Dicktengleich genannt.
Proportional: Jedes Zeichen besitzt seine eigene Breite. Der Abstand zwischen zwei Zeichen ist unterschiedlich.Texte sehen schöner und ausgewogener aus. In Büchern, Zeitungen uvm. werden meistens proportionale Schriften (z.B.Helvetica, Arial, Times, Palatino) verwendet.